Nackt

Wann waren Sie zuletzt nackt? Sie wundern sich gerade? Was ich genau damit meine und warum es so wichtig für uns ist, lesen Sie bitte im folgenden Artikel.

Unsere Funktionsmäntel

Ich nenne es nackt sein. Gerne können Sie nackt im Folgenden durch „unbedeckt“ ersetzen; es wird aufs Gleiche hinauslaufen und hat im Prinzip nichts mit dem Ausziehen unserer Kleidung zu tun.

Wir alle haben im Leben mehrere Funktionsmäntel an. Diese wechseln wir sogar mehrmals täglich; wir haben selten 24 Stunden den gleichen Funktionsmantel an. Wir sind: Mama oder Papa, Schwester oder Bruder, Freundin oder Freund, Partnerin oder Partner, Kollegin oder Kollege, Chefin oder Chef, Kundin oder Kunde, Tennisspielerin oder Tennisspieler, Konzertbesucherin oder Konzertbesucher, usw. Jede dieser Funktionen füllen wir mit unserer Person aus, sie trägt unsere Züge und unsere Handschrift. Dennoch sind wir in der jeweiligen Funktion nahezu immer an die dazugehörige Etikette gebunden – ob wir wollen oder nicht. Als Chef:in eines Unternehmens werden Sie wohl kaum morgens in Ihrer Wohlfühlhose, ungeschminkt oder unrasiert und mit schlenderndem Gang Ihren Mirarbeiter:innen entgegentreten. Als Elternteil werden Sie Ihren Kinder nicht sagen, dass Algebra oder die Komplexchemie einmal nicht zu den wertvollsten Dingen des Lebens gehören werden.

die kunst sich frei zu machen

Wenn Sie alle Ihre Funktionsmäntel, die Sie aktuell tragen, ausziehen, wer steht dann da? Wer bleibt dann übrig? Wenn Sie alle Normen, Gesetzmäßigkeiten, Verpflichtungen, Aufgaben und Gesellschaftsregeln hinter sich lassen – für ein paar Momente – was zählt dann für diesen einen Moment? Wenn Sie ganz ICH sind, wer sind Sie dann?

Und meine nächste Frage ist: wie oft kommen solche Momente in Ihrem Alltag vor? Vielleicht werden Sie sich an dieser Stelle verärgert von diesem Artikel abwenden oder Sie werden schmerzlich erkennen, das es solche Momente gar nicht mehr gibt. Vielleicht aber haben Sie nun wieder einmal Lust bekommen, alle Ihre Funktionsmäntel abzulegen. Tun Sie es bitte. Und tun Sie es für sich!

Kinder denken nicht darüber nach, was sie dürfen, sollen oder zu unterlassen haben. Sie tun es einfach. Sie hüpfen in die Wasserlacke, weil es Spaß macht. Sie springen und singen, weil es gerade jetzt Freude bereitet. Es ist unerheblich, ob andere darüber lachen oder gar schimpfen. Es macht Spaß und steigert das Wohlbefinden. Kinder lachen dabei und bringen ihre innere Freude damit nach außen.

Wie oft tanzen sie singend durch ihre wohnung?

Wann haben Sie das letzte Mal nach Lust und Laune gesungen? Oder die Musik so laut aufgedreht, dass sie Ihren eigenen Gesang nicht mehr hören konnten und sind durch Ihre Wohnung getanzt? Im Pyjama oder in Unterwäsche, ungestylt und ungewaschen – aber perfekt für diesen Moment! Oder wann haben Sie zuletzt geschaukelt? Nicht auf einer Schaukel gesessen, sondern tatsächlich geschaukelt? Das tun doch Erwachsene nicht, denken Sie? Wenn mich meine Kinder so sehen würden…

Kennen Sie Ihr heutiges ICH mit all seinen Bedürfnissen und Werten? Befriedigen Sie Ihre Bedürfnisse und pflegen Sie das, was Ihnen wertvoll ist? Tun Sie es auch ohne einer Funktion? Nur für sich ganz allein? Sind Sie es sich wert?

Sofern Sie gerade damit überfordert sind, erinnern Sie sich bitte, was Sie früher gerne und aus voller Leidenschaft getan haben. Gehen Sie in Ihrem Lebenslauf ruhig mehrere Jahre oder Jahrzehnte zurück. Gerne können Sie dabei auch Ihre Augen schließen und warten. Nehmen Sie sich bitte Zeit und haben Sie dabei Geduld; Momente der Unbeschwertheit werden gefunden werden.

Positiver Effekt

Sollten Sie Zweifel hegen oder sich fragen, was das überhaupt bringen soll, dann habe ich eine klare Antwort für Sie: Positives! Frei von allen Funktionen, die wir bekleiden, frei von allen Normen und Gesetzmäßigkeiten und frei von einem Gegenüber, das uns belächeln oder maßregeln könnte – nährt es uns, erfüllt es uns und bringt uns mit uns selbst in eine ganz bezaubernde und intime Verbindung! Wir füllen damit unser Positiv-Konto mit unermesslichen Werten.

Gönnen Sie sich eine Ausschüttung von Glückshormonen und erlauben Sie sich, öfters „nackt“ zu sein!

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